58. Sitzung des Arbeitskreises „kommunale Beschäftigungsförde-rung“ des Deutschen Städtetages am 18. und 19. März 2019 in Saarbrücken

Das von der Bundesregierung Ende letzten Jahres beschlossene und Anfang 2019 gestartete Beschäftigungsprogramm für Langzeitarbeitslose („Teilhabechancengesetz“) wird von den im Arbeitskreis der kommunalen Beschäftigungsförderer im Deutschen Städtetag vertretenen Großstädte ausdrücklich begrüßt. „Gerade für Städte mit einer vergleichsweise hohen Langzeitarbeitslosigkeit wie Saarbrücken bietet dieses neue Programm zum ersten Mal eine längerfristige Perspektive zur Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten für Menschen, die sehr lange arbeitslos gewesen sind und ohne staatliche Hilfe nicht in ein reguläres Arbeitsverhältnis zurückfinden“, so Oberbürgermeisterin Charlotte Britz bei ihrer Begrüßung der Arbeitsmarktexperten in Saarbrücken. Mit diesem auf 5 Jahre angelegten Programm gelinge es zum ersten Mal über einen „sozialen Arbeitsmarkt“ Menschen, die lange Zeit ohne Erwerbseinkommen waren, wieder über eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ihre Würde zurückzugeben. Daher habe Sie sich in den vergangenen Jahren auch immer vehement im Deutschen Städtetag aber auch beim Bundesarbeitsminister für dieses Programm eingesetzt, so die Oberbürgermeisterin weiter in ihrer Begrüßung.

In den Beratungen der Arbeitsmarktexperten wurden zwar einige Aspekte des Programmes, wie z.B. die Förderung bei tarifgebundenen Unternehmen und die Ansiedlung des im Programm vorgesehenen Coachings durchaus kritisch diskutiert; „Insgesamt betrachtet ist es aber ein Arbeitsmarktprogramm, wie es von den Fachleuten des Städtetages seit Jahren gefordert wurde und das in vielen Städten mit hoher Langzeitarbeitslosigkeit mit Sicherheit eine nachhaltige Entlastung bringt“ – so die Vorsitzende des Arbeitskreises der kommunalen Beschäftigungsförderer, Dr. Anneliese Durst aus München.

Auf der Tagesordnung des 2-tägigen Fachaustausches, der vor imposanter Kulisse (Fritz Zolnhofer-Mosaike) in den Konferenzräumen der LAG Pro Ehrenamt im ehemaligen Saarbrücker Stadtbad stattfand, standen außer dem Thema der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit aber auch Themen und konkrete Praxisberichte, zur Fachkräftesicherung und Fachkräftegewinnung. Über die Erfahrungen aus mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen mit dem Projekt „Digiscouts“ berichtete eine Vertreterin des RKW-Kompetenzzentrums in Eschborn (Rationalisierungs- und Innovationskuratorium der deutschen Wirtschaft). Bei diesen Projekten ging es darum, Auszubildende, die in der Regel als „digital natives“ gelten, als „Scouts“ zum Aufspüren von Anwendungsmöglichkeiten digitaler Technologien einzusetzen und damit Produkte und Abläufe in den Unternehmen innovativer zu gestalten. Nach dem Bericht der RKW-Referentin haben diese Projekte in den betreffenden Unternehmen nachweislich dazu beigetragen, die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit zu stärken. Darüber hinaus würden mit diesen Projekten die digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter gestärkt und bisher verborgen gebliebene digitale Potentiale und Innovation in den Unternehmen gehoben. Das RKW habe auch im Saarland bereits Partner gefunden, die ein Interesse an dieser Projektidee gezeigt haben.

In einem weiteren Vortrag berichtete ein Mitarbeiter der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen über neue innovative Projekte und Konzepte zum (Arbeits)-Zeitmanagement: In dem vom Bundesministerium für Arbeit im Rahmen der „Initiative neue Qualität der Arbeit“ geförderten Modellprojekt geht es um die Entwicklung konfliktarmer, innovativer Arbeitszeitlösungen, die sowohl den Flexibilisierungsbedürfnissen der Mitarbeiter*innen als auch den betrieblichen Abläufen gerecht werden sollen. Auch hier werden für eine zweite Modellversuchsreihe, insbesondere öffentliche Arbeitgeber, als auch Projektpartner gesucht.

„Die digitale Innovation und Transformation ist eine Herausforderung der sich alle Unternehmen stellen müssen, die ihre Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit auch in Zukunft erhalten wollen, sie ist aber auch eine Herausforderung für die Arbeitsmarktpolitik, die in Ausbildung und Beschäftigung die intensivere Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Digitalisierung erforderlich macht. Von daher wird uns dieses Thema auch zukünftig noch intensiv beschäftigen“ so Guido Freidinger, der Saarbrücker Vertreter in dem Arbeitskreis zur Verabschiedung seiner Fachkolleg*innen am Ende der Beratung.

 

Infokasten:

Diesem Arbeitskreis der kommunalen Beschäftigungsförderer gehören 15 Großstädte und Stadtstaaten aus West- und Ostdeutschland an. Die Experten der kommunalen Arbeitsförderung treffen sich 2-mal jährlich reihum in den jeweiligen Mitgliedsstädten. Ihre Aufgabe ist die Beratung des Deutschen Städtetages in Fragen der Beschäftigungsförderung und Arbeitsmarktpolitik. Der Arbeitskreis wird jedoch auch oft im Rahmen der öffentlichen Anhörungen zu neuen Gesetzgebungsverfahren der Arbeitsmarktpolitik gehört.

Dieser Arbeitskreis beim Deutschen Städtetag ist vor nunmehr fast 20 Jahren aus einem vor bereits über 30 Jahren ins Leben gerufenen Erfahrungsaustausch der „Pioniere der kommunalen Beschäftigungsförderung“ aus Wiesbaden, Bielefeld und Saarbrücken hervorgegangen.

Mit dem Treffen in Saarbrücken verabschiedete sich der Saarbrücker Vertreter, der auch Gründungsmitglied des Arbeitskreises ist, aus der Expertenrunde, da er Ende Mai in den Ruhestand tritt.

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